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ASCAN MERGENTHALER ÜBER HOLZ.
Ascan Mergenthaler, Architekt/Partner Herzog&deMeuron im Gespräch mit Kurator Edi Andrist
EA: Wie verwendet Ihr den Baustoff Holz?
AM: Wir verwenden Holz meist in der ursprünglichen Form. Wir versuchen auch in der Behandlung des Werkstoffes Holz, so damit umzugehen, dass die Natürlichkeit des Holzes erhalten bleibt, dass man den Materialcharakter immer noch merkt. Es ist selten, dass wir Holz technologisch weiterentwickeln wollen.
EA: Welches sind gute Beispiele dafür?
AM: Zum Beispiel das Projekt Parrish Art Museum auf Long Island, New York.
In Amerika gibt es diese tolle Tradition, dass bei Abrissbauten die alten Hölzer herausgeholt werden, also die Bodendielen, Dachbalken und die Pfetten. Dieses Holz wird Hard Pine genannt, ist ein unglaublich hartes Holz, mit einer schönen Maserung. Den Baum selber gibt es nicht mehr, das Holz wäre, wie ausgestorben. Aber durch dass man es aus diesen alten Häusern rausholt, es sogenannt erntet (dies wird „harvesting“ genannt) steht es immer noch in grossen Mengen zur Verfügung, es war das billigste Holz damals. Man sägt, wie bei einem Baumstamm, die äusseren Schichten weg. Es ist zum Teil über 100 Jahre altes Material. Der Kern ist zum Teil sehr trocken, aber da kommt häufig noch Saft raus. Zuerst bürsten wir dieses Plattenmaterial mit einer Stahlbürste, damit die weichen Teile rausgehen Ein unglaublich interessantes Material mit einer schönen Maserung. Wir färben es dann schwarz ein, dadurch erhält es eine Gleichförmigkeit; es wird homogenisiert und doch sieht man die Maserung durch. Wir machen daraus die Türen, die Möbel für den Laden, die Reception und das Museumscafe.
EA: Und dieses Interior Design entwickelt Ihr selber?
AM: Nein, Konstantin Grcic entwirft dies.
AM: Ein weiteres Beispiel ist die Tate.
Da haben wir die Eichenböden sägerauh verlegt. Wir waren wahrscheinlich die ersten – die eeinen Boden einfach roh liessen, so dass man den einläuft. Mit der Zeit wird er dann dreckig und flacher und zeigt Benutzungsspuren. Es geht uns immer darum, dass Holz noch Holz ist,
und als solches auch erkennbar bleibt, altern kann und sich weiterentwickelt.
EA: Verwendet Ihr auch Leichtbauplatten, die ja immer mehr an Bedeutung für den Innenausbau gewinnen?
AM: Nein, dies ist natürlich das , was wir absolut nicht machen würden. Wenn Holz nur noch zum Furnier wird und dann noch rundgebogen ist, dann hat das so eine Künstlichkeit, die wir nicht wollen.
EA: Und dann gibt es aber Architekten, die suchen genau dies, die technologisch an die Grenze gehen wollen.
AM: Ich find das auch total spannend, das ist ja auch Okay, da Furnier ja auch traditionelles Handwerk ist; aber damit machen wir gar nichts.
EA: So ist von Euch aus gesehen, der Baustoff Holz, immer noch das, was er immer war.
AM: Ja das ist so. Dieser natürliche Baustoff, der warm ist, der gewisse Eigenschaften hat, die kein anderes Material hat, und diese benutzen wir und deshalb setzen wir Holz auch ein. Zum Beispiel für Museen oder Galerien, weil ein Holzboden fusswarm und weicher ist zum Draufstehen als ein Betonboden.
Alles, was man anfasst, ist eigentlich schöner und angenehmer in Holz als aus Metall. Metall ist immer so kalt – und Holz ist warm. Es ist eigentlich urkomisch, dass Fenster- und Türgriffe immer aus Metall sind.
EA: Gibt es gute Lösungen für Fenster- und oder Türgriffe aus Holz?
AM: Nein, die sind immer so selbstschreinert. Wir haben aber sehr gute Modellbauer, richtige Schreiner, mit denen zusammen entwickeln wir unsere Dinge, mal einen einfachen Tisch oder ein Gestell, einen Hocker oder eben Holzgriffe. Die setzen wir dann auf eine vorhandene Mechanik drauf.
EA: Sind das dann die gleichen Leute, die eure Modelle machen?
AM: Die meisten Modelle, die wir machen, sind auch vom Team gemacht. Es sind die Leute, die am Projekt arbeiten, diese machen auch die Modelle. Sie holen sich die Unterstützung in unserem Workshop, das ist eine richtige Werkstatt, mit mehreren Kreisband-und-sonstwas-sägen, auch 3-Achs-Fräsen und ein bisschen Computertechnologie. Dann gibt es auch noch die Digital Technologies Group, das sind dann bei uns die Computernerds, die alles scripten und die Maschinen mit den Daten füttern. Sie durchdenken die Prozesse, und lösen diese rechnerisch und praktisch. Letztlich bringen wir beide Welten zusammen – die Handwerker und die digitale Welt.
EA: In der Elbphilharmonie hat es bestimmt viele Hölzer drin?
AM: Nein, eben nicht. Da haben wir nur Holz als Bodenmaterial und an den Innenseiten der Brüstung. Da wo man sitzt, ziehen wir den Holzboden praktisch hoch. Da kommt man oft mit den Knien oder Füssen dran, und deshalb ist es gut, wenn das das gleiche Material ist wie der Boden. Es wäre schlecht, wenn das so eine Art Wandmaterial wäre.
Die Brüstungselemente selber sind alles Gipsfaserplatten. Das hat auch wieder eine einfache Logik. In der Architektur gibt es das Vorurteil: Konzertsaal = Holz. Weil viele Instrumente aus Holz sind, werden irrtümlich überall Konzertsäle mit viel Holz ausgestattet. Schaut man aber genau hin, dann ist das Holzfurnier auf Gipsplatten, denn Holz selber, hat keine akustischen Eigenschaften.
EA: Holz wird also nur als dekoratives und atmosphärisches Element verwendet?
AM: Genau. Und das wollten wir in der Elbphilharmonie natürlich überhaupt nicht. Was es akustisch braucht ist Gewicht – Masse. Wir zeigen die Gipsplatten, die die Akustik machen, praktisch Eins zu Eins. Diese haben Vertiefungen eingefräst, die ein Muster ergeben. Früher hatten die Barocksäle Stukaturen, die den Klang runterbrachen, diese Funktion übernehmen diese Gipsplatten. Ein warmer weissgrauer Raum mit einem Holzboden der so hochkommt, , aber sonst kein Holz – sehr untypisch. Das wird für viele eine Überraschung werden.
EA: Spielt der Geruch des Holzes auch eine Rolle?
AM: Ja klar. Total. Es ist immer der Geruch des Holzes selber. Es gibt dieses ganz tolle Arvenholz oder etwa das Zedernholz, beide haben einen speziellen Geruch, den man einsetzen kann. Es ist aber auch interessant und entscheidend, mit was man das Holz behandelt. Wenn man es einölt oder einseifst. Gerade Eichenböden sind halt schön, wenn man die nur einseift. Böden generell, aber auch Wände, müssen eine gewisse Offenporigkeit behalten, so dass sie dampfdurchlässig sind. Das Zulackieren ist eigentlich immer ein Problem.
EA: Vielen Dank für das Gespräch.
woodoo/1
Ascan Mergenthaler studierte Architektur an der Universität Stuttgart und The Bartlett, UCL, London, UK von 1990 bis 1997. Sein Architekturdiplom erwarb er 1997 an der Universität Stuttgart. Bereits als Student arbeitete er 1993 bei Herzog & de Meuron. Von 1995 bis 1997 arbeitete er für Konstantin Grcic – Industrial Design. Seine Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron begann 1998, 2004 wurde er Partner.
